9 Qualitätskriterien für eine Luftheizung im Passivhaus

Grundsätzlich gelten auch für die reine Luftheizung im Passivhaus die 55 Qualitätskriterien für Komfortlüftungen. Darüber hinaus sind ergänzende Punkte zu beachten.


Anforderung an das Gebäude

  • Luftdichte Gebäudehülle: Maximal 0,6facher Luftwechsel nach EN 13829 (Blower Door Test)
  • Niedrige spezifische Heizlast ohne große Unterschiede zwischen den einzelnen Räumen: Nachweis der Beheizbarkeit am Standort nach Passivhaus- Projektierungspaket (PHPP)

 

Anforderung an die Luftheizung

  1. Keine Erhöhung der Luftmenge über den hygienisch notwendigen Bereich:
    Für die Luftheizung darf die zugeführte Luftmenge nicht über die hygienisch notwendige Luftmenge hinausgehen.
  2. Temperatur beim Einströmventil auf Behaglichkeitsniveau:
    Bei einer Luftheizung darf die Zulufttemperatur nicht über 52° C hinausgehen.
  3. Leistungsgeregelte Lufterwärmung ohne Staubverschwelung:
    a) Wärmetauscher: leistungsgeregelt mit einer maximalen Oberflächentemperatur von 55° C
    b) elektrisch: leistungsgeregeltes Heizregister mit einer maximalen Oberflächentemperatur von 55° C (z.B. PTC Heizregister).
  4. Auslegung des EWT (Luft-  oder Sole-) auf die zusätzlich notwendige Energiemenge:
    a) Der Luft-EWT muss bei Systemen mit zusätzlicher Außenluft für die Wärmepumpe entsprechend größer ausgelegt werden. Ziel: vereisungsfreier Betrieb der Wärmepumpe mit der Mischung von Zusatzluft der WP und Fortluft
    b) Der Sole-EWT muss entsprechend der Entzugsleistung der Wärmepumpe größer ausgelegt werden. Minimale Soletemperatur 0° C.
  5. Hochwertige Wärmepumpe bei Lüftungsgeräten mit Luft - Luft, bzw. Luft - Wasser Wärmepumpe:
    Einhaltung des Grenzwertes bzw. Einsatzbereiches für den Primärenergiebedarf nach PHI für Heizung, Warmwasser, Lüftung und Hilfsstrom von 55 kWh pro Quadratmeter Nutzfläche.
  6. Optische Anzeige einer Störung der Wärmepumpe:
    Gut sichtbare Anzeige im Wohnbereich über eine Störung der Wärmepumpe.
  7. Optische Anzeige des Betriebes des elektrischen Heizstabes:
    Gut sichtbare Anzeige im Wohnbereich über den momentanen Betrieb des elektrischen Heizstabes.
  8. Zusätzliche Dämmung der Zuluftleitung mit Heizfunktion im kalten Bereich (außerhalb der Dämmhülle). Achtung: gilt auch bei Decken- und Wanddurchbrüchen:
    a) möglichst kurze Zuluftleitungen im kalten Bereich
    b) mindestens 60 mm Wärmedämmung (Lambda 0,04 W/m²K) der Zuluftleitungen
    c) Befinden sich Zuluftleitungen im Boden- bzw. Deckenaufbau nicht völlig innerhalb des warmen Bereiches, sondern direkt in der Dämmebene, so ist die Zuluftleitung zumindest mit einer 60 mm dicken Dämmplatte von der Rohdecke zu trennen (Lambda 0,04 W/m²K).
    d) Wird die Zuluftleitung in der Außenhülle (nur Sanierung) geführt, sollte diese zumindest 16 cm hinterlüftungsfrei überdämmt sein (Lambda 0,04 W/m²K).
  9. Dämmung der Zuluftluftleitungen im warmen Bereich:
    Die Dämmung der Zuluftleitungen innerhalb der Hülle ist so zu wählen, dass in jedem Zuluftraum noch die nötige Temperatur erreicht wird, um die Heizleistung mit der hygienischen Luftmenge einzubringen.

 

Empfehlung:

Um die systembedingten Einschränkungen einer reinen Luftheizung zu beseitigen, werden auch bei Passivhäusern Kombigeräte mit wassergeführtem Verteilsystem empfohlen.



Letzte Änderung: 05.03.2014

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